In der Astrofotografie gewinnt nicht, wer „mehr vergrößert“, sondern wer korrekt sampelt. In diesem Leitfaden erklären wir, wie Brennweitenverhältnis, Pixelgröße und effektive Brennweite zusammenhängen, damit Teleskop und Kamera sinnvoll kombiniert werden – ohne unnötig komplizierte oder ineffiziente Setups.
Warum Brennweitenverhältnis und Sampling entscheidend sind
Zwei Teleskope mit gleicher Öffnung können sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern. Der Grund liegt oft in der Abbildungsskala (Bogensekunden pro Pixel) und darin, wie gut sie zum Seeing, zur Nachführung und zur mechanischen Stabilität passt.
- Zu hohe Brennweite im Verhältnis zum Seeing → weiche, verrauschte Sterne (Oversampling)
- Zu kurze Brennweite → Detailverlust (Undersampling)
- Ausgewogenes Setup → feinere Sterne und bessere Detaildarstellung
Brennweitenverhältnis: Bedeutung und Auswirkungen
Das Brennweitenverhältnis wird als f/ angegeben und berechnet sich aus:
f/ = Brennweite / Öffnung
Ein „schnelleres“ System (z. B. f/4–f/5) sammelt bei Deep-Sky-Objekten schneller Signal als f/7–f/8, erfordert aber eine saubere Abstimmung von Optik und Sensor.
Sampling (Bogensekunden/Pixel): die wichtigste Formel
Die Abbildungsskala berechnet sich wie folgt:
Skala (arcsec/Pixel) = 206 × Pixelgröße (µm) / Brennweite (mm)
- Pixelgröße: Größe eines Pixels des Sensors
- Brennweite: effektive Brennweite inkl. Reducer oder Barlow
Wie interpretiert man den Wert?
- Niedriger Wert (~0,6–1,0”/px): hohe Auflösung, hohe Anforderungen an Seeing und Guiding
- Mittlerer Wert (~1,2–2,5”/px): oft idealer Kompromiss
- Hoher Wert (>3”/px): großes Gesichtsfeld, weniger Detail
Oversampling und Undersampling verstehen
Oversampling
Ist das Sampling feiner als das Seeing erlaubt, entstehen:
- aufgeblähte Sterne
- höheres Rauschen trotz langer Integration
- höhere Anforderungen an Montierung und Nachführung
Undersampling
Bei zu grobem Sampling:
- wirken Sterne unnatürlich
- geht feines Detail verloren
- erscheinen kleine Objekte zu kompakt
Praktische Richtwerte für Deep-Sky
- ~1,2–2,5 arcsec/Pixel: ausgewogen und gut beherrschbar
- <1 arcsec/Pixel: anspruchsvoll, gutes Seeing erforderlich
- >3 arcsec/Pixel: ideal für große Nebel
Optimierung ohne Teleskopwechsel
Fokalreduktor
Vergrößert das Gesichtsfeld und macht das Setup toleranter.
Barlow-Linse
Erhöht die Brennweite – sinnvoll vor allem für Mond und Planeten.
Checkliste vor dem Kauf
- Ziel definieren (Nebel, Galaxien, Planeten)
- Pixelgröße der Kamera prüfen
- Effektive Brennweite berechnen
- Sampling-Formel anwenden
- Extremwerte vermeiden
Unsicher bei deinem Setup?
Kontaktiere uns mit deinen Daten (Teleskop, Brennweite, Kamera) – wir prüfen dein Sampling und empfehlen sinnvolle Zubehörlösungen.